Schimmel durch Kältebrücke

Als Kältebrücke werden Bauteile bezeichnet, die Wärme rascher nach draußen transportieren, als die angrenzenden Elemente. Fachspezifisch ist von einer Wärmebrücke die Rede, denn letztendlich handelt es sich um Wärme, die verloren geht.

Umgangssprachlich hat sich eher die Bezeichnung Kältebrücke durchgesetzt. Beide Begriffe bedeuten das Gleiche und stehen für einen erhöhten Transmissionswärmeverlust einzelner Bereiche des Gebäudes.

Schimmel durch Kältebrücke als Ursache für Schimmelpilzbefall in Wohnräumen

Unterschieden wird grundsätzlich zwischen konstruktiven, geometrischen und materialbedingten Wärmebrücken. Die Hausaußenecke, an der vergleichsweise viel kalte Außenwand auf den warmen Innenraum trifft, wird zu den geometrischen Wärmebrücken gezählt.

Haus und Balkon mit Kältebrücke

Balkone an alten Häusern bilden oft eine Kältebrücke. Schimmel entsteht dann schnell bei großen Temperaturunterschieden.

Materialbedingte Kältebrücken entstehen, wenn sich neben Materialien mit niedriger Wärmeleitfähigkeit Materialien mit hoher Wärmeleitfähigkeit befinden.

Wärmetechnische Schwachstellen beseitigen geht mit einer Reduzierung der Heizkosten einher. Außerdem wird das Schimmelrisiko gebannt, denn an Kältebrücken siedeln sich leicht Schimmelpilze an.

Wo treten Kältebrücken bevorzugt auf?

  • Rollladenkästen
  • Balkone
  • Ecken im Haus
  • Fensterstützen
  • Fensterrahmen
  • Heizkörpernischen
  • Deckenanschlüsse
  • vorspringende Stahlträger
  • ungedämmte Stahlbetonbauelemente

Prinzipiell verbergen sich Kältebrücken immer dort, wo im Kontrast zu den restlichen Bauteilen ein niedrigerer Wärmedurchgangswiderstand besteht. DIN 4108 Wärmeschutz im Hochbau, Beiblatt 2, beschreibt Beispiele von fachgerechten Ausführungen bezüglich Wärmebrücken im Neubaubereich, die dem Mindestwärmeschutz entsprechen.

Ausnahmen bilden denkmalgeschützte Gebäude und Häuser, denen eine Unwirtschaftlichkeit bescheinigt werden kann.

Die Verknüpfung von Kältebrücke und Schimmelbildung

Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit in sich aufnehmen als kalte Luft. Wird feuchtigkeitsbeladene Luft aus irgendwelchen Gründen abgekühlt, erreicht sie ihren Taupunkt und muss sich zwangsweise von einem Teil ihrer Nässe trennen. Diese physikalische Gesetzmäßigkeit vollzieht sich, wenn schwüle Luft mit kalten Oberflächen in Berührung kommt. Der Dampf kondensiert.

Gibt es in einem Raum einen kälteren Wandbereich, also eine Wärmebrücke, verflüssigen sich dort bevorzugt die Wasseranteile der Luft. Die Wand ist an dieser Stelle demzufolge fortwährend etwas feucht. Landen darauf Schimmelsporen, finden sie ein geeignetes Milieu zum Wachsen vor. Jede Kälte- bzw. Wärmebrücke neigt deshalb zu Schimmelbildung.

Schimmel aufgrund neuer Fenster

Fenster, die vor 1990 eingebaut wurden, lassen hinsichtlich ihrer Wärmedämmung zu wünschen übrig. Moderne Fenster sind dagegen mit 3-fach oder 4-fach Verglasung ausgestattet.

Der Wärmedurchgangskoeffizient, der als U-Wert definiert wird, hängt eng mit der Anzahl der Scheiben zusammen. Liegt der U-Wert bei den Fenstern höher als bei den Außenwänden, beschlagen im Winter die Fensterscheiben. Sind die Fenster gut verdichtet, aber die Wände ungedämmt, kondensiert feuchte Raumluft an den kühleren Wänden.

Durch die auftretende Nässe können sich Schimmelpilze entfalten, was sich eventuell nach dem Austausch der Fester bestätigt. Während der U-Wert der Fenster in einen Optimalbereich gebracht wurde, bleibt der U-Wert der Außenwände wie gehabt und entwickelt sich zu einer Kältebrücke.

Schimmelbildung nach Fenstersanierung lässt sich mindern, wenn häufig gelüftet oder eine Lüftungsanlage installiert wird. Als weitaus effektiver erweist sich bei der Fenstererneuerung die gleichzeitige Dämmung der Außenwände, damit keine Wärmebrücke entsteht.

Energieberater empfehlen Sanierungen, die sich nicht nur auf Teilbereiche konzentrieren. Der beste Isoliergrad der Fenster bringt keinen Nutzen, wenn gleichzeitig die Wärme durch die eine oder andere vorhandene Kältebrücke nach draußen dringt. Je geringer der Wärmedurchgangskoeffizient des gesamten Gebäudes, desto besser seine Wärmedämmeigenschaften.

Mit der Kamera Wärmebrücken aufspüren

Thermografieaufnahmen während der Heizperiode machen an einem Gebäude Wärmebrücken ersichtlich, noch bevor sie zu Schimmelbefall führen. Dazu ist eine Infrarot-Kamera nötig, die verschiedene Temperaturen mit unterschiedlichen Farben aufnimmt. Kältere Bereiche erscheinen in blauer und warme in roter Farbe. Dazwischen gibt es noch eine Reihe von farblichen Nuancen.

Auch wenn ein Laie denkt, ein Wärmebild ließe sich einfach lesen, wird für eine genaue Interpretation Fachwissen benötigt. Bauphysiker raten zudem zu ergänzenden Thermografiebildern aus dem Inneren des Gebäudes. Sonnenbestrahlung kann das Ergebnis verfälschen, deshalb sollte die Thermografie am Abend oder in den frühen Morgenstunden durchgeführt werden.

Kältebrücke – Schimmel vermeiden

Zum Ausmerzen von Schwachstellen wird generell zu einer umfänglichen Fassadendämmung geraten. Unnötige Wärmeverluste lassen sich ausschließen, wenn die wärmende Hülle überall möglichst gleich ist. Trotzdem existieren individuelle Lösungen, wie z. B. bei Wärmebrücken, die von Heizkörpernischen verursacht werden:

Um Platz zu sparen, wurden die Heizkörper in früheren Zeiten in einer Aussparung im Mauerwerk untergebracht. In der Nische unter dem Fenster waren die Wärmequellen nicht im Wege. Zur Beseitigung einer solchen Kältebrücke muss die dünnere Wand hinter der Heizung die gleiche Stärke erhalten, wie das restliche Außenmauerwerk. Deshalb rückt der Heizkörper ein Stück nach vorne, damit die Nische mit Dämmstoff gefüllt und verputzt werden kann.

Schimmel durch Kältebrücke in aller Kürze:

Weil eine Kältebrücke schneller auskühlt und auftreffende schwüle Luft zum Kondensieren bringt, entsteht ein ständig nässender Bereich, auf dem sich leicht Schimmelpilze ansiedeln.

2 Kommentare… add one
  • Jana

    Vielen Dank für diesen interessanten Artikel. Beim Entfernen von Schimmel sollte man auch unbedingt immer auf die eigene Gesundheit acht geben. Das Tragen eines Mundschutzes ist daher dringend zu empfehlen.
    Mit besten Grüßen,
    Jana

  • Jenny

    Die Empfehlung eines Mundschutzes kann ich leider nur verneinen. Viel besser wäre es dabei eine Gasmaske zu tragen, da die relativ groben Poren eines Mundschutzes ein Durchdringen der Schimmelsporen nicht zu verhindern vermögen.
    Ja ich bin schlau. 😉

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